Die Tisch-Metapher in der EFT-Klopfakupressur

Die Tisch-Metapher in der EFT-Klopfakupressur

Tisch-Metapher

Ich komm nicht weiter!

Oft sind gerade Klopfanfänger von der Klopftherapie und ihrer vermeintlichen Einfachheit so begeistert, dass Sie annehmen, es ließe sich alles mal eben schnell „wegklopfen“. Angespornt durch die ersten Erfolge klopfen sie euphorisch an allen möglichen Themen, um früher oder später festzustellen, dass nach den ersten Anfängererfolgen nicht mehr viel passiert.

Themen, die bereits erledigt schienen, tauchen wieder auf und die eben noch so begeisterten Klopf-Advokaten werfen frustriert und enttäuscht das Handtuch, um das Klopfen als eine von den vielen Selbsthilfemethoden abzutun, die sich zwar in der Theorie toll anhören, der Realität aber nicht standhalten.

Woran liegt das?

Wenn Themen immer wiederzukehren scheinen oder sich nicht wirklich bessern, dann gibt es hierfür verschiedene Gründe. Häufig zum Beispiel klopfen die Leute haarscharf oder manchmal auch meilenweit am Thema vorbei. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, werde ich an anderer Stelle noch ausführlicher besprechen. In diesem Beitrag möchte ich erst einmal auf den häufigsten Grund für ausbleibenden Erfolg eingehen: ein zu oberflächliches Vorgehen.

Ich sag’s dir ganz konkret …

Einer der häufigsten Gründe für mangelhaften Erfolg ist ein zu oberflächliches Vorgehen. Beim Klopfen ist es wichtig, so konkret wie möglich zu klopfen. Das heißt: an konkreten Situationen, konkreten Befürchtungen, konkreten Glaubenssätzen.

Nehmen wir mal an, Sie möchten an Ihrer Eifersucht arbeiten. Wenn Sie gerade einen Vorfall erlebt haben, der Ihre Eifersucht entfacht hat, dann wird es Ihnen wahrscheinlich tatsächlich Erleichterung bringen, wenn Sie einfach nur an diesem konkreten Vorfall klopfen. Das Problem Eifersucht an sich wird damit aber in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht aufgelöst sein.

Um die Eifersucht an der Wurzel zu packen, müssen Sie erfahrungsgemäß ein bisschen tiefer graben. Das heißt, Sie müssen weitere prägnante Situationen ausfindig zu machen, in denen Sie diese Eifersucht gefühlt haben, und diese beklopfen. Es geht darüber hinaus auch um innere Überzeugungen und Ängste, die mit dem Thema verknüpft sind, die ebenfalls bearbeitet werden sollten. Sie sehen also, dass das alleinige Klopfen an „Ich bin so eifersüchtig“, vielleicht einen oberflächlichen Effekt haben mag, aber sehr wahrscheinlich keine nachhaltigen Verbesserungen liefert.

Alles hat eine Ursache

Innere Wahrheiten entwickeln sich nicht aus dem Blauen heraus. In der Regel gibt es entweder ein oder einige wenige wirklich prägnante Ereignisse, die diese innere Wahrheit „einprägen“, oder zahlreiche Ereignisse, die schließlich zu der inneren Überzeugung führen, dass das Thema unveränderlich zu Ihnen gehört.

Manchmal können wir uns an die Ereignisse nicht mehr erinnern. Manchmal waren es auch so viele Ereignisse, dass sie irgendwie zu einer einzigen inneren Wahrheit verschmolzen zu sein scheinen („Ich weiß einfach, dass es so ist …“). Und manchmal drücken wir uns davor, uns diese Ereignisse genauer anzusehen, weil sie immer noch so schmerzliche Gefühle in uns auslösen. (Auch für die Arbeit mit „verschollenen“ oder auch besonders schmerzlichen Erinnerungen haben wir beim Klopfen bestimmte Techniken, die uns die Arbeit erleichtern.)

Um ein Thema also richtig zu knacken, muss man meist mehrere Ereignisse bearbeiten, die dieses Thema repräsentieren.

Gary Craig, der Erfinder der Emotional Freedom Techniques, hat hierfür eine sehr treffende Metapher entwickelt, die Tabletop-Metapher.  Die Tischplatte (tabletop) repräsentiert dabei das Thema (in unserem Fall wäre das die Eifersucht) und die Tischbeine repräsentieren die Ereignisse, die dieses Thema am Leben erhalten, zum Beispiel: „Als Oma gesagt hat, dass mein kleiner Bruder ihr liebster Schatz ist …“.

Vom Großen zum Kleinen

Gerade bei komplexen Themen wie „Eifersucht“ kann ein Tisch leicht Hunderte von Tischbeinen haben.

Beim Klopfen geht es jetzt darum, diese Tischbeine (Ereignisse) nach und nach „abzuklopfen“ und den Tisch somit immer instabiler zu machen, bis irgendwann so viele Tischbeine weggeklopft wurden, dass der ganze Tisch (oder das ganze Thema) in sich zusammenfällt.

Nun gleicht natürlich ein Tisch nicht unbedingt dem anderen. Während der eine Tisch vielleicht von vornherein auf recht wackligen Beinen steht, die mit wenig Aufwand weggeschlagen werden können, steht der andere Tisch vielleicht auf sehr massiven Tischbeinen, denen so schnell nichts etwas anhaben kann. Manche Tische haben auch nur ein sehr massives Tischbein in der Mitte. Dieses Tischbein zu entfernen kostet vielleicht ein bisschen Mühe, aber wenn es weg ist, ist das Thema gegessen.

Nein, Sie müssen nicht alle Ereignisse beklopfen!

Gitterstäbe-MetapherDas ist die gute Nachricht. Sie müssen nicht sämtliche Tischbeine beklopfen, um den Tisch zu Fall zu bringen. Oft reicht es, die wichtigsten Tischbeine zu bearbeiten, damit das Thema sich erledigt hat.

Und hier kommt der (kleine) Haken:

In der Theorie funktioniert das Ganze so auch super, aber in der Praxis zeigt sich oft, dass ein Thema oft ein Unterthema eines anderen Themas ist. Nein, nein, nicht abschalten! Ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhört. Das heißt einfach, dass sich zum Beispiel hinter dem Thema Eifersucht andere Themen verbergen können, beispielsweise die Überzeugung „Ich bin nicht liebenswert“.

Die Eifersucht ist also nicht das Hauptthema, sondern als Unterthema quasi Symptom eines anderen Themas. Dieses tieferliegende Thema („Ich bin nicht liebenswert“) wird – wie das Thema Eifersucht auch – von konkreten Ereignissen (Tischbeinen) getragen, die man sich näher ansehen sollte, um diesen ganzen Themenkomplex (oder die aufeinandergetürmten Tische) zu Fall zu bringen.

Wie gesagt, Sie müssen nicht befürchten, dass Sie ewig und drei Tage an einem Thema klopfen. Das Sinnbild, das die amerikanische EFT-Therapeutin Rue Hass hierfür gefunden hat, verdeutlicht das sehr schön.

Sie vergleicht das Beklopfen einzelner Situationen zu einem Thema mit dem Entfernen der Gitterstäbe eines Käfigs oder einer Gefängniszelle. Das ist deswegen so treffend, weil es sich ja oft tatsächlich so anfühlt, als würden wir in einem (selbstgebauten) Gefängnis sitzen, dem wir nicht entkommen können. Entfernen wir aber genügend Gitterstäbe, steht dem Schritt in die Freiheit nichts mehr im Wege. Hierfür ist es nicht nötig, alle Gitterstäbe zu entfernen.

Beharrlichkeit ist auch in der Klopfakupressur der Schlüssel zum Erfolg!

So schnell das Klopfen verglichen mit anderen Methoden funktioniert, behalten Sie also bitte immer im Hinterkopf, dass auch die Klopftherapie, zumindest wenn es um tiefgreifende Veränderungen geht, keine Instantlösung anbietet. Wenn Sie wirklich etwas verändern wollen in Ihrem Leben, dann müssen Sie am Ball bleiben. Sie müssen bereit sein, Weltanschauungen zu hinterfragen und bei Bedarf auch über Bord zu werfen. Das erfordert oft Mut und Ausdauer, aber es lohnt sich auf jeden Fall und auch hierbei kann Ihnen das Klopfen große Dienste leisten.